Wolkig
So 24.8.
16/25°
Wolkig, Regen
Sa 25.8.
20/26°
Wolkig, Regen
Mo 26.8.
19/27°

St. Veit-Kathedrale

Das wahre Herz des böhmischen Staates und der sakralste Ort aller Tschechen liegt inmitten des dritten Hauptburghofes, nämlich an der Stelle, wo sich früher die Rotunde von St. Veit befand. Sie wurde von St. Wenzel 925 n. Chr. gegründet, und später erbaute man hier die romanische Basilika. An dieser Stelle steht jetzt die St. Veit-Kathedrale (katedrála sv. Víta) und die in ihr gebaute Kapelle von St. Wenzel. Sie ist nicht nur die Metropolitankirche der Prager Erzbischöfe, sondern auch Krönungskirche und Begräbnisstätte der böhmischen Herrscher.

Sankt-Wenzels-Kapelle, benannt nach dem Schutzheiligen und ewigen Herrscher Böhmens (1367), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

In der Sankt-Wenzels-Kapelle (kaple sv. Václava) ruht der Körper des ewigen Herrschers und Beschützers unseres Landes, und oberhalb der Kapelle befinden sich die Kronjuwelen in der Krönungskammer. Die Kapelle von St. Wenzel, von Peter Parler unter Karl IV. erbaut (beendet in 1367), unterstreicht die Bedeutung dieses Ortes. Ihr Grundriss entsprach streng genommen nicht den damals üblichen Grundrissen einer Kathedrale, da ein Verlegen des heiligen Grabes des Hauptpatrons des Landes unmöglich war. Es war jedoch im Gegenteil Absicht Karls IV., die Anwesenheit des Grabes zu betonen. Die Wände der Sankt-Wenzels-Kapelle sind mit polierten Halbedelsteinen und Fresken bedeckt, von denen der Teil, der die Sankt-Wenzels- Legende schildert, erst aus dem 16. Jahrhundert stammt. Das zwei Meter hohe St. Wenzels-Steinbild (beendet 1373) und Fresken mit der Passion Christi sowie den Porträts von Karl IV. und dessen vierter Gemahlin Elisa vom Pommern stammen jedoch aus der Zeit Karls, ebenso wie das sehr außergewöhnliche Stirngewölbe der Kapelle. Die übrige Ausstattung ist der Renaissancezeit zuzuordnen, mit Ausnahme des neugotischen vergoldeten Kronleuchters und des Grabsteins von St. Wenzel auf dem Altar von 1913.

Der Große Südturm dominiert die südliche Front und wird mit einem Renaissanceaufgang und einer barocken Zwiebelkuppel vollendet. Das Innere ist jedoch im Stil Parlers, ebenso wie die anliegende Spindeltreppe, ein technisches Wunder jener Zeit. Ihre Achse ist dreimal angekröpft, und die gesamte Konstruktion erweckt einen entlastenden Eindruck, da der Außenmantel durch ein dekoratives Rippennetz gebildet wird. Vermutlich waren Peter Parler († 1399) oder seine Söhne und Nachfolger Johann und Wenzel Schöpfer dieses Werks. Im Großen Turm befindet sich eine Renaissanceuhr aus dem 16. Jahrhundert sowie vergoldete Fenstergitter, die ein Geschenk von Rudolf II . waren. Hinter ihnen ist die größte, 16 Tonnen schwere Glocke Siegmund (Zikmund) angebracht, die von Tomáš Jaroš aus dem Jahr 1549 stammt.

Veitsdom - Goldenes Tor, Mosaikdetail - Das Jüngste Gericht (1366 - 67), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Zwischen dem Großen Südturm und der Sankt-Wenzel-Kapelle befindet sich das Goldene Tor (Zlatá brána), ein monumentaler Eingang in die Kathedrale. Sein Vorzimmer ist auf eine unglaublich komplizierte Art gewölbt. Die freien Rippen werden auch genutzt, d.h. frei durch die geführten Konstruktionsstützen im Raum. Obgleich es sich um ein Werk der sechziger Jahre des 14. Jahrhunderts handelt, wird die 100 Jahre später folgende Fortsetzung bereits antizipiert. Die äußere Stirnwand des Goldenen Tores schmückt ein Mosaik aus der Zeit Karls IV., auf dem er mit seiner Gemahlin Elisa von Pommern abgebildet ist. Entsprechend den Schätzungen böhmischer Maler wurde es im Jahr 1371 von venezianischen Mosaikmalern geschaffen. Bis heute wird es für das größte und älteste Mosaik nördlich der Alpen gehalten.

Außer der Sankt-Wenzel-Kapelle und dem Goldenen Tor beim Südturm beendete Peter Parler ebenfalls das Presbyterium der Kathedrale bis zur Alten Sakristei (Stará sakristie), deren Decke eine gewagte Wölbung erhielt, was in seiner Zeit (1356) eine technische Spitzenleistung darstellte. Das Presbyteriumsgewölbe von Peter Parler ist eines der ältesten Netzgewölbe in Europa (im Jahr 1385 vollendet). In dem Werk der Prager Kathedrale kam die spätgotische Formenlehre zur Welt, die sich 50 bis 100 Jahre später in ganz Europa weiterentwickelte.

Der Grabstein von Přemysl Otakar II. schmückt zusammen mit den Grabsteinen fünf weiterer Herrscher aus dem Hause Přemysl und des Bischofs Jan Očko von Vlašim die Kapelle im Erdgeschoss des Presbyteriums. Sie entstanden in der Werkstatt Peter Parlers in den siebziger Jahren des 14. Jahrhunderts.

Veitsdom - Innenraum, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Die Büsten des unteren Triforiums (z.B. das Selbstporträt von Peter Parler) stellen eine Seltenheit dar. Dies zeigt sich in der Qualität der Arbeit, in ihrer Wirkung, aber auch in ihrem Motiv, da die Büsten außer den Mitgliedern des Herrscherhauses und den höchsten kirchlichen Würdenträgern die beiden Architekten der Kathedrale (Matthias von Arras und Peter Parler) sowie fünf Baudirektoren abbilden. Eine solche Selbstbewertung der eigenen Schöpfer war im Mittelalter nicht üblich und zeigt den Charakter der Vorrenaissance des Prager Hofes unter Karl IV. Leider sind die Nasen einiger Statuen abgeschlagen. Die protestantischen Fanatiker, die Friedrich von der Pfalz zu dessen Krönung zum böhmischen König begleiteten, wollten die Statuen vernichten.

In den einzelnen Kapellen des Presbyteriums blieb ein Teil der ursprünglichen Malereien erhalten – die gotischen Wandgemälde aus der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts: in der Kapelle des Heiligen Kreuzes (Thronende Madonna unter Engeln, Heiligen und Gönnern), in der Wallenstein-Kapelle (Madonna mit Gönnern), in der Vlašim-Kapelle (leidender Christus, Enthauptung von St. Katharina, St. Adalbert, Taufe von St. Otylie sowie zwei Porträts des knienden Auftraggebers – der Erzbischof Jan Očko aus Vlašim) und in der sächsischen Kapelle (Anbetung der Drei Könige).

Veitsdom - Innenraum, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Die Kellerräume der Kathedrale beinhalten die Überreste älterer Bauten (Überreste der östlichen Gruft des Heiligen Kosma und Damian aus dem 11. Jahrhundert sowie Teile des Mauerwerks der südlichen und nördlichen Apsiden der Sankt-Veit-Rotunde, die bereits im Jahr 925 n. Chr. von St. Wenzel gegründet wurde) und einen Teil der Gräber böhmischer Könige und ihrer Gattinnen. Die königliche Gruft entstand am Ende des 16. Jahrhunderts, als sie in die Reste der romanischen Gebäude des Sankt-Veit- Domkapitels eingebaut wurde. Ihr jetziges Aussehen ist das Ergebnis der Arbeiten von K. Roškot (1928–35): Der Ehrenplatz gehört Karl IV. († 1378), hier liegen ebenfalls sein Sohn Wenzel IV. († 1419) mit seiner Gattin Johanna von Bayern sowie die Könige Ladislav der Nachgeborene († 1457), Georg von Poděbrady († 1471) und Rudolf II. († 1612), der in einem traditionellen, reich beschmückten Sarg ruht.

Nach dem Tod des genialen Peter Parler (1399) verlangsamte sich der Bau offensichtlich und wurde nach dem Ausbruch der hussitischen Kriege ganz eingestellt (1420). In den darauf folgenden Jahrhunderten wurde die Kathedrale lediglich ergänzt. H. Spiess erbaute für die Jagellos den spätgotischen Königlichen Betchor (Královská oratoř) (1493).

Unter den Habsburgern entstand das Königliche Mausoleum mit den Gräbern Ferdinands I., Annas und Maxmilians II., die vom niederländischen Bildhauer Alexander Collin geschaffen wurden (1564–1589).

Der Barockstil schmückte die Kathedrale beispielsweise mit dem silbernen Grabmal von St. Johann von Nepomuk (1733–36), das J. E. Fischer von E rlach entwarf und der Goldschmied Josef Wuerth schuf. Unter Maria Theresia wurden die allegorischen Statuen und Engel hinzugefügt. Die Kathedrale wurde bis ins 20. Jahrhundert weiter gebaut. Den späteren Bau leiteten Josef Mocker (bis 1899) und nach ihm Kamil Hilbert. Die Ausschmückung der Kathedrale war eine Gelegenheit für die modernen böhmischen Künstler. Der Grabstein von Kardinal Schwarzenberg (1892–95) stammt von Myslbek, für den der Künstler eine Auszeichnung im Jahr 1900 auf der Ausstellung in Paris erhielt. Von den modernen Werken sind der Altar von Bildhauer Fr. Bílek (1899, 1927) oder die Bleiverglasung der Fenster besonders fesselnd..