Bevor wir durch die Straße schlendern ...

... lassen Sie uns kurz Prag, seine Geschichte und seine Denkmäler vorstellen. Die Hauptstadt und zugleich die größte und bevölkerungsreichste Stadt der Tschechischen Republik ist seit mehr als 1100 Jahren das Zentrum des Staates – zuerst der frühen Fürstentümer der Přemysliden, später des Königreiches und wiederholt in seiner Geschichte auch des Kaiserreiches. Sie ist eine Stadt mit außergewöhnlichem Charme, die zahlreiche Künstler inspirierte. Sie ist eine Stadt, die jährlich von bis zu 8 Millionen Touristen aus aller Welt besucht wird.

Prag erstreckt sich inmitten des tschechischen Beckens an den Ufern der Moldau. Derzeit leben hier rund 1,3 Millionen Einwohner und ihren Sitz haben hier die wichtigsten staatlichen Institutionen (Präsident, Regierung, Parlament). Dank der außergewöhnlichen Konzentration an Baudenkmälern wurde der historische Kern der Stadt Prag im Jahre 1992 in die Liste des UNESCO-Weltkulturerbes eingetragen. Das historische Zentrum ist in der Tat außergewöhnlich und Sie finden hier alle Bau- und Kunststile, beginnend mit der Romanik. Sie werden von der Atmosphäre der majestätischen Bauensembles sowie versteckter Ecken und Winkel fasziniert sein. Der Blick über die Moldau und die Karlsbrücke zur Prager Burg ist absolut einzigartig. Prag gilt zu Recht als eine der schönsten (Haupt-)Städte Europas, für einige sogar als die schönste überhaupt.

Geschichte

Die älteste Besiedlung des Felsausläufers am linken Ufer der Moldau ist in der Vorgeschichte, in der Jungsteinzeit belegt. Ein Wendepunkt in der alten Geschichte war die Gründung der Prager Burg (im 9. Jahrhundert), die zur Residenz der ersten Fürsten der Přemysliden-Dynastie wurde, welche die böhmischen Länder mehr als 400 Jahre (bis zum Jahre 1306) regierte. Nach den Přemysliden bestiegen die Luxemburger den böhmischen Thron, dann die Jagiellonen und ab dem Jahre 1526 die Habsburger (bis zum Jahre 1918). Von allen Herrschern, die in Prag ihren Sitz hatten und der Stadt in bedeutender Weise zu ihrem Aufschwung verhalfen, ist insbesondere Karl IV. (1316–1378) zu erwähnen, in dessen Regierungszeit Prag zur führenden europäischen Metropole aufstieg (die Prager Diözese wurde in den Rang einer Erzdiözese erhoben, die Universität wurde gegründet, es begann der Bau des Veitsdoms, die Fundamente einer neuen Steinbrücke wurden gelegt, die Neustadt wurde gegründet usw.). Im Jahre 1918 zerfiel die Habsburger österreichisch-ungarische Monarchie und auf der Europakarte erschien die Tschechoslowakei – Prag trat als Hauptstadt der neugeborenen Republik in eine neue Ära ein. 100 Jahre nach ihrer Gründung, im Jahre 2018, feierten wir dieses runde Jubiläum in den Straßen der Stadt Prag, jetzt Hauptstadt der Tschechischen Republik, die im Jahre 1993 nach der Teilung des gemeinsamen Staates der Tschechen und Slowaken gegründet wurde.

Prager Burg

Das wichtigste Wahrzeichen der tschechischen Hauptstadt ist die Prager Burg – die Dominante der Stadt, ohne die man sich das Prager Panorama nicht mehr vorstellen könnte. Im 9. Jahrhundert wurde der Ort zum befestigten Sitz der regierenden Fürsten aus dem Geschlecht der Přemysliden. Seitdem ist die Burg das politische und spirituelle Zentrum des Landes. In den 11 oder 12 Jahrhunderten ihres Bestehens entwickelte sie sich zu einem der größten Burgkomplexe der Welt. Auf ihrem III. Burghof steht der gotische Veitsdom (voller Name Kathedrale St. Veit, Wenzel und Adalbert). Er wurde ab dem Jahre 1346 unter Kaiser Karl IV. (an der Stelle der ursprünglichen Rotunde und späteren Basilika) erbaut und erst im Jahre 1929 vollständig fertiggestellt. Die Kathedrale, der heiligste Ort auf der Burg und im ganzen Land, ist auch die Grabstätte der böhmischen Monarchen – der Könige und Fürsten, einschließlich des hl. Wenzels, des ewigen Schutzpatrons des Landes. Natürlich ist die Kathedrale nicht das einzige Wahrzeichen des Burgareals. Im Rahmen der Besichtigungsrundgänge können die Touristen den Alten Königspalast mit dem Vladislav-Saal, die Dauerausstellung Die Geschichte der Prager Burg mit authentischen, tausend Jahre alten Gegenständen (einschließlich des Helms des heiligen Wenzels), die Bildergalerie der Prager Burg, die Basilika des hl. Georgs, sowie das Goldene Gässchen besuchen oder zur Aussichtsgalerie des großen Turms der Kathedrale aufsteigen. Der Burgkomplex ist von frei zugänglichen Gärten umgeben, in denen sich das Königliche Lustschlösschen im Renaissance-Stil und eine „Turnhalle“ von Mitte des 16. Jahrhunderts befinden – ein reich verziertes Renaissance-Ballhaus.

Historisches Zentrum

Hradschin (Hradčany)

Auf der Westseite grenzt an das Burggelände der Hradschiner Platz (Hradčanské náměstí) mit dem Erzbischöflichen Palais, dem Palais Schwarzenberg, dem Palais Martinitz und anderen wunderschönen Palastbauten an. Es ist nicht weit von hier bis zum barocken Loreto und auch bis zur Neuen Welt, einem unauffälligen, jedoch um so malerischeren Viertel abseits des Touristenrummels, wenn auch nicht weit von der Burg entfernt. 

Kleinseite (Malá Strana)

Zwischen der Prager Burg, dem Petřín (Laurenziberg – 327 m ü. M.) und der Moldau befindet sich die Kleinseite (ursprünglich Neustadt genannt). Ihr Zentrum ist der Platz Malostranské náměstí (Kleinseitner Ring) mit der St.-Nikolaus-Kirche, einem herausragenden Bauwerk des Barocks. Unweit von hier konkurriert der Prager Burg mit seiner Größe die ehemalige Residenz des Generals Albrecht von Wallenstein – das prächtige Wallenstein-Palais mit einem ausgedehnten Garten. Der romanische Ursprung zeigt sich deutlich in der Architektur der Kirche St. Maria unter der Kette, die den Johannitern (Malteserritter) gehörte, deren Aufgabe es war, die Steinbrücke zu bewachen. In der Straße Karmelitská ulice, in der Kirche Mariä vom Siege und des hl. Antonius von Padua, erfüllt die kleine Statue des Jesuskindes, Prager Jesulein genannt, die Polyxena von Lobkowicz den Karmelitern spendete, seit fast vier Jahrhunderten die Wünsche der Gläubigen („Bewahrt es in Ehrfurcht und es wird Euch wohlergehen“).

Karlsbrücke und Altstadt

Die Kleinseite ist mit dem gegenüberliegenden rechten Ufer der Moldau durch die Karlsbrücke (bis zum Jahre 1870 Steinbrücke genannt), die zweitälteste Brücke in der Tschechischen Republik, verbunden. Sie ersetzte die ursprüngliche Judithbrücke, die vom Hochwasser zerstört worden war. Der Bau der 515 m langen Brücke mit 16 Bögen wurde im Jahre 1357 begonnen und im Jahre 1402 abgeschlossen. Später wurden 30 Barockstatuen und -statuengruppen auf der Brücke aufgestellt. Der gotische Altstädter Brückenturm auf der ersten Brückensäule gilt als der schönste in Europa.

Das Zentrum der historischen Altstadt am rechten Ufer des Flusses ist der Altstädter Ring mit dem Rathaus und der astronomischen Aposteluhr aus dem Jahre 1410, der drittältesten der Welt und der ältesten noch funktionstüchtigen astronomischen Uhr überhaupt. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes erheben sich die zwei Türme der gotischen Teynkirche, einer der Dominanten der Altstadt. Im Bereich zwischen der Altstadt und der Biegung der Moldau liegt das Stadtviertel Josefov (das kleinste Prager Stadtviertel), in dem sich ab dem 11. Jahrhundert die Judenstadt (Ghetto, „Stadt in der Stadt“) befand. Sie wurde im Jahre 1848 abgeschafft und zum Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts saniert, wobei die meisten der ursprünglichen mittelalterlichen Gebäude abgerissen wurden. Glücklicherweise entkamen dem Abriss (unter anderem) das Rathaus, der alte Friedhof, die Altneu-Synagoge u. a.

Neustadt

Im Jahre 1348 gründete Karl IV. die Neustadt, ein großzügig gestaltetes Viertel mit breiten Straßen und einem durchdachten Stadtplan. Es wurde hauptsächlich von Handwerkern bewohnt. Das Zentrum des Stadtviertels (und heute des modernen Prag) ist der Wenzelsplatz (bis zum Jahre 1848 der Pferdemarkt). Es handelt sich nicht um einen Platz im eigentlichen Sinne des Wortes, sondern eher um einen breiten, modernen Boulevard, dessen Dominante im oberen Teil das Gebäude des Nationalmuseums ist. Als Zentrum des neuen Prags plante Karl IV. jedoch den noch größeren Viehmarkt (80 500 m2), den heutigen Karlsplatz. In seinem nördlichen Teil steht das Neustädter Rathaus, das bis zum Jahr 1784 seinen Zweck erfüllte. Im Jahre 1419 erlebte es den Ersten Prager Fenstersturz, der eine Welle von Unruhen und anschließend die Hussitenkriege auslöste. Die moderne Architektur repräsentiert in der Neustadt das im Jahre 1996 fertiggestellte Tanzende Haus („Ginger und Fred“). Die Dominante des Moldau-Ufers, der natürlichen Grenze der Neustadt, ist jedoch das Nationaltheater im Neurenaissance-Stil, eines der architektonisch, historisch und kulturell wichtigsten Gebäude des Landes.

Vyšehrad (Prager Hochburg)

Es ist nicht weit von der Neustadt nach Vyšehrad, einem legendären Symbol der ältesten böhmischen Geschichte. In der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts verlegte hierher der erste böhmische König Vratislav I. (als Fürst jedoch Vratislav II.) seine königliche Residenz, wobei er zugleich die Kapitelkirche St. Peter und Paul gründete. Das älteste Gebäude der ehemaligen befestigten Siedlung ist jedoch die St.-Martins-Rotunde,die, obwohl sie umgebaut wurde, zum großen Teil ihre ursprüngliche Form aus dem 11. Jahrhundert bewahrte. Zum Ende des 19. Jahrhunderts wurde in Vyšehrad die nationale Begräbnisstätte der wichtigsten Persönlichkeiten des tschechischen kulturellen und sozialen Lebens mit der monumentalen Gruft Slavín errichtet.

 Weitere Informationen finden Sie im Reiseführer

Fotogalerie

, Foto: Pavel Radosta
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