Heiter
Fr 19.4.
10/19°
Heiter
So 20.4.
10/19°
Heiter
Sa 21.4.
10/20°

Der Hradschin das Kloster in Strahov, der Petrin-Hügel und die Kleineseite

DER HRADSCHIN

Hradschin - Südteil mit dem Lobkowitz-Palast, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Der Hradschin dehnt sich westlich von der Prager Burg aus. Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. ist er fast ununterbrochen besiedelt, obgleich die mittelalterliche Stadt hier erst um 1320 entstand, und die Stadtrechte 1598 erworben wurden. Zentrum ist der Hradschiner-Platz (Hradčanské náměstí), der zum Haupteingang in die Prager Burg, d.h. zum ersten Burghof, liegt. Der Platz wird daher von großartigen Hofpalästen und kirchlichen Institutionen geschmückt, z.B von dem Renaissancepalast Lobkowitzer (später auch Schwarzenberger genannt) mit einem Sgraffitoschmuck (1545–1563), in dem sich die Ausstellung des Militärmuseum befindet.

Auf der Stirnseite des Erzbischöflichen Palastes befindet sich ein Tor zum Sternbergerpalast, wo ein sehr wertvoller Teil der Sammlungen der Nationalgalerie (Národní galerie) ausgestellt ist, der alter Kunst gewidmet ist.

Außer den repräsentativen Adelspalästen und ihren luxuriösen Gärten (z.B. der Garten des Czerninpalastes) dominieren im Hradschin weiterhin zahlreiche Kirchen, z.B. die Loretta von K. I. Dienzenhofer (1722).

Der Hradschin war niemals eine typische Stadt. Die verkleinerten Bürgerhäuser aus dem 14. Jahrhundert verschwanden im Schatten der Paläste, besonders in der Neuen Welt (Nový svět). Heutzutage verfügen sie über Renaissance- oder Barockfassaden. Durch ihren poetischen Charme vermenschlichen sie die erhabene Monumentalität der Paläste.

DAS KLOSTER IN STRAHOV

Blick in Richtung Strahov-Kloster, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Südlich vom Hradschin liegt das Prämonstratenser-Kloster – Strahov, das in der Hälfte des 12. Jahrhunderts gegründet wurde. Es wurde mehrmals umgebaut und erweitert. Am ausdrucksvollsten kommt seine Barockfassade zur Geltung, aber auch die St. Roches-Kirche aus dem beginnenden 17. Jahrhundert und die romanischen Wände der Klostergebäude deuten auf die komplizierte Bauentwicklung dieses Areals hin. Die großen Gebäude dienen nicht nur dem Prämonstratenser-Kloster, sondern auch der Bildergalerie von Strahov. Besonders sehenswert ist ebenfalls die hiesige Bibliothek, die über 130.000 Bücher, 2.500 Manuskripte (von denen das Älteste aus dem 9. Jahrhundert stammt), etwa 1.500 Erstdrucke und die Nachlässe von 1.200 tschechischen Schriftstellern besitzt. Diesen Reichtum ergänzen die Barockbuchschränke und die ursprüngliche Barockausschmückung der Bibliothekssäle: die theologischen (1679) und philosophischen Säle (1784).

DER PETRIN-HÜGEL

Aussichtsturm (60 m) - sog. Prager Eiffelturm aus dem Jahre 1891, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Strahov gehört gewissermaßen zum Baumgarten von Petřin, der ein Überrest des ursprünglichen Wildgeheges ist. Seit dem 12. Jahrhundert wurde es von Weinbergen und Gärten abgedrängt. Jetzt gibt es in Petřin einen zwei Kilometer langen Besichtigungsweg, der Sie zu allen hiesigen Sehenswürdigkeiten führt, wie etwa zu dem Petřin-Aussichtsturm , eine 60 m hohe Nachbildung des Pariser Eiffelturmes, oder zu dem kuriosen Spiegellabyrinth, das ebenso wie der Aussichtsturm anlässlich der Jubiläumsausstellung 1891 entstand. Auf dem Petřín befinden sich weiterhin zehn Statuen oder Gruppen von Statuen sowie eine Seilbahn.

DIE KLEINSEITE (MALÁ STRANA)

Der Petřin und die Prager Burg umschließen die Kleinseite (Malá Strana), früher auch „Kleinere“ und noch früher „Neustadt“ genannt. Die Kaufmannssiedlung gab es hier schon im 8. Jahrhundert, aber nachdem Fürst Břetislav von hier die jüdischen Siedler an das andere Ufer der Moldau übersiedelte, wurde sie zur Residenzstadt des böhmischen Adels und der Botschafter der benachbarten Herrscher. Bis heute haben hier mehrere Botschaften ihren Sitz.

Die Kleinseite (Malá Strana) erwarb die Stadtrechte von Přemysl Otakar II. im Jahr 1257. Schon damals war ihr Zentrum der Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí) mit der St. Nikolaus- Kirche (sv. Mikuláše), die später von Christoph und Kilian Ignaz Dienzenhofer (1704–1752) umgebaut wurde. Die Kirche mit dem anliegenden Studentenheim der Jesuiten stellt den monumentalsten und typischsten Kirchenbau des Prager Barock dar.

Die ursprünglich protestantische Kirche der Heiligen Dreifaltigkeit wurde nach dem verlorenen Aufstand den Katholiken übergeben und als erste Barockkirche Prags Jungfrau Maria der Siegreichen (Panna Marie Vítězná) eingeweiht. Im Jahr 1628 wurde sie zum Wohnsitz des Wunder vollbringenden Prager Christkindes.

Vrtbovská-Garten (F. M. Kaňka, M. B. Braun, 1730), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

In der St. Thomas Augustinianerkirche (chrám sv. Tomáše befindet sich ein Schatz. Man gab 1636 den Altar für die Kirche bei P. P. Rubens in Auftrag. Bis heute ist der Altar hier zu sehen. Die Großzügigkeit vieler hiesiger Barockpaläste (z.B. der Thunpalast in der Nerudova- Straße von J. Santini aus dem Jahr 1726) und der Charme der Barockgärten (z.B. der Vrtbovská-Garten) mit den Statuen von M. B. Braun aus dem Jahr 1730 oder der Lederburgscher Garten von J. Santini aus dem Jahr 1720) knüpfen an das Vorbild des Palastes von Albrecht von Wallenstein an (1624–1630). Von Wallenstein nutzte die Konfiskationen des protestantischen Eigentums nach der Schlacht auf dem Weißberg aus und ließ anstelle von 22 Häusern, eines Ziegelwerkes und Wintergärten seine großartige Residenz bauen. Jetzt wird sie teilweise von der Oberen Kammer unseres Parlamentes benutzt. Der prächtige Garten ist mit Bronzestatuen von dem berühmten Adrien de Vries (1626–27) verschönert, jedoch handelt es sich hier um Kopien. Im Jahr 1648 wurden die Originale von den Schweden geraubt und befinden sich bis heute in Drottningholm.

Smiřický-Palast (1606), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Vor Albrecht von Wallenstein waren die hiesigen adeligen Residenzen viel bescheidener, aber nicht weniger erhaben, wie der Palast Smiřický auf dem Kleinseitner Ring zeigt, selbst wenn seine Fassade nach 1763 teilweise gebaut wurde. Von hier brachen die böhmischen Herren auf, die bitterböse wegen der Verletzungen der religiösen Freiheit und der Rechte der böhmischen Protestanten waren. Mit dem Fenstersturz der unbeliebten Beamten brachten sie ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck. Mit diesem zweiten Fenstersturz in unserer Geschichte begann nicht nur der Standesaufstand, sondern auch der Dreißigjährige Krieg. Neben dem Palast Smiřický befindet sich der Sternberger-Palast, in dem 1541 ein furchtbarer Brand ausbrach, der im Wesentlichen nicht nur die Kleinseite, sondern auch die Prager Burg beschädigte.

Der älteste Bau auf der Kleinseite ist die eindrucksvolle Kirche der Jungfrau Maria unter der Kette aus dem Jahr 1169. Ihr gotisches Vorzimmer mit den Türmen wurde vor den Ruinen der romanischen Wände errichtet, und hinter ihnen wurde das Presbyterium im Barock-Stil umgebaut. Die Johanniter, nach 1530 Malteserritter genannt, hatten den Schutz der Steinbrücke als Aufgabe.