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Die Vyšehrad

Hl. Peter-und-Pauls-Kirche auf dem Vyšehrad, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Die Vyšehrad (obere Burg), der sagenhafte Sitz des Fürsten aus dem Hause Přemysl, stammt aus dem 10. Jahrhundert. Sie ist somit zwar jünger als die Prager Burg, aber das mindert ihre Bedeutung keinesfalls. Sie erreichte den höchsten Glanz in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Damals wohnte der böhmische König Vratislav II . sehr häufig in der Burg, da er sich schlecht mit seinem Bruder Jaromír vertrug, der Prager Bischof war. Zu dieser Zeit gründete der König die hiesige St. Peter- und Paul-Kapitelkirche. Die Kirche war frei von den bischöflichen Kompetenzen und direkt dem Papst untergeordnet. Ihr heutiges Aussehen entspricht der Regotisierung im 19. Jahrhundert. Unweit befindet sich die St. Martin-Rotunde, der wahre Augenzeuge von Vratislav II .

Die St. Martin-Rotunde [70] ist die älteste erhaltene Prager Rotunde. Ihr heutiges Aussehen ähnelt ihrem ursprünglichen Zustand im 11. Jahrhundert.

Vyšehrad, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Nach dem Tod von Vratislav II. verwandelte sich die Vyšehrad in eine Herrscherfestung über Prag und wurde als solche noch 800 Jahre genutzt. Noch im 14. Jahrhundert verlieh Karl IV. der Vyšehrad eine besondere Stellung, indem er sie in die Krönungsordnung eingliederte. Von hier aus begann der Herrscher seinen zeremoniellen symbolischen Weg durch die Stadt, und erst dann konnte er mit der Sankt-Wenzel-Krone zum böhmischen König gekrönt werden. Obwohl die Vyšehrad im Laufe des 15. Jahrhunderts eher an eine Handwerkersiedlung als an eine Festung erinnerte, wurde ihre symbolische und mythische Bedeutung nie vergessen. Im 17. Jahrhundert wurde sie wieder als Festung genutzt. An die interessante Barockbefestigung (1670 beendet) erinnert das System der Befestigungswerke und Tore, die Carlo Lurago im Stil des norditalienischen Klassizismus bildete.

Als im Jahr 1866 die Vyšehrad nicht mehr als Festung diente, begann sich der Vyšehrad Friedhof auszubreiten und verwandelte sich in den Slavín, der im Zeitraum 1890–1902 von Antonín Wiehl architektonisch reorganisiert wurde. So entstand ein Ehrenfriedhof und Denkmal für die bedeutungsvollsten Persönlichkeiten unseres Landes. Nach 1947 wurden in den Garten der Vyšehrad ebenfalls Myslbeks Statuengruppen von der Palacky-Brücke gestellt. Sagenhafte Personen unserer Vergangenheit lebten hier wieder auf: Lumír und Píseň (1888), Přemysl und Libuše (1889), Ctirad und Šárka (1895), Záboj und Slavoj (1892).

Kubistische Villa von Josef Chochol (1912-14) am Ufer unter Vyšehrad, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Unterhalb der Vyšehrad wurden im 17. Jahrhundert viele Menschen angesiedelt, und so entstand der Kern eines neuen Stadtteils, der von der Neustadt durch den Botič Bach getrennt war. Der Stadtteil Vyšehrad wurde 1883 an die Hauptstadt angeschlossen. Es entstanden hier ganz außerordentliche kubistische Bauten: das Mietshaus in der Neklan- Gasse und direkt unter der Vyšehrad die am Ufer stehende Familien-Villa von Jos. Chochol (1912–14). Diese Objekte beweisen den Einfluss und die Anziehungskraft des Kubismus, der zu einem neuen Stil der modernen Kunst wurde. Er bestimmte in Böhmen alle Formen des gesellschaftlichen Lebens. Der Erste Weltkrieg unterbrach jedoch seine Entwicklung, und die Nachkriegszeit brachte andere Sorgen.