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Smíchov und Zbraslav

Am gegenüberliegendem Moldauufer erstreckt sich der Stadtteil Smíchov, der sich uferwärts bis zum Lorenzberg (Petřín) und zur Kleinseite hinzieht. Als Prager Vorort ist dieses Viertel bereits zu den Zeiten von Wenzel II. in die Geschichte eingegangen, der hier im Jahre 1297 ein grandioses Krönungsfestmahl veranstaltet hat, einer zeitgenössischen Chronik zufolge für 190.000 erhabene Gäste und deren Begleitung. Bis zum 19. Jahrhundert war der Ort nur an den Wegen in Richtung Zbraslav und Plzeň licht besiedelt. Es entstanden hier Bürger- und Adelshöfe (Bertramka, Šmukýřka) und später auch Lustschlösschen. Von den älteren Denkmälern blieb am Moldauufer auf der Insel Petržilkovský ostrov der im Renaissancestil erbaute Kleinseitner Wasserturm (Malostranská vodárenská věž, 1562) erhalten. Der umliegende Park ist gegenwärtig zu einem Kinderspielplatz umgestaltet. Unweit von hier, aber weiter abseits vom Ufer, steht bisher noch ein Barocklustschlösschen, Portheimka oder Buquoyka genannt, das im Jahre 1725 von K. I. Dienzenhofer errichtet worden ist und dessen Interieurs von V. V. Reiner mit Fresken versehen worden sind. Aus der Zusammenarbeit dieser beiden hervorragenden Künstler ist eines der schönsten Denkmäler des böhmischen Spätbarock hervorgegangen. Der Park, der ursprünglich zur Villa gehörte, reichte bis zur Moldau und wurde im Jahre 1775 zur Grundlage eines botanischen Gartens. In der Nachbarschaft von Portheimka wurde nach 1884 von Antonín Barvitius die neorenaissancemäßige St.-Wenzels-Kirche (kostel sv. Václava) erbaut. Daran wird der Aufstieg von Smíchov im 19. Jahrhundert illustriert, als sich dieser Stadtteil zu einem Industrieviertel entwickelt hat. Das heutige Zentrum von Smíchov ist die Kreuzung Anděl (křižovatka Anděl – „Engel“), um welche die modernsten Bauten entstehen, die heute auf die Überreste der einst klassizistischen Bebauung treffen. Die Dominante der Kreuzung bildet das Handels- und Verwaltungszentrum Zlatý anděl (Goldener Engel), das in den Jahren 1996 – 2000 von Jean Nouvelle aus Glas und Aluminium geschaffen worden ist. Über dem industriellen, Arbeiter- und Geschäftsteil von Smíchov erstrecken sich die Felsen von Barrandov (Barrandovské skály), wo Joachim Barrande zu Beginn des 19. Jahrhunderts eine Reihe bemerkenswerter Fossilien von urzeitlichen Lebewesen entdeckt hat. In Barrandov haben die namhaften Filmateliere ihren Sitz und im Jahre 1927 wurde hier ein Aussichtsrestaurant eröffnet. In dieser Gegend befindet sich der berühmte Hof Bertramka, eine Vorstadtresidenz aus dem 17. Jahrhundert, die in der Hälfte des 18. Jahrhunderts umgebaut worden ist und in ihrer neuen Gestalt u.a. W. A. Mozart bewirtet hat. Dieser verweilte hier bei seinen Freunden, dem Klavierspieler Fr. X. Dušek und seiner Gattin Josefína, auch komponierte er hier einige seiner Werke. Gegenwärtig befindet sich in der Bertramka das Museum von W. A. Mozart und des Ehepaares Dušek; im Gebäude und im anliegenden Garten werden Konzerte veranstaltet.

Noch südlicher am linken Moldauufer liegt Zbraslav (Königsaal). Hier stand einst ein berühmtes gotisches Zisterzienserkloster, das als Grabstätte der böhmischen Könige dienen sollte. Es wurde zu Beginn der Hussitenkriege vollkommen vernichtet. An der gegenwärtigen barocken Gestalt des Klosters arbeiteten beispielsweise J. Santini, K. I. Dienzenhofer und V. V. Reiner. Heute ist das hiesige Gelände mitsamt dem anliegenden Park eine Oase der Ruhe sowie Unterkunft für die Sammlungen asiatischer Kunst der Nationalgalerie. Über Zbraslav am anderen Moldauufer – Na Závisti – findet man Spuren eines längst vergangenen keltischen Oppidums, dessen 170 ha einst von einer komplizierten, 9 km langen Befestigung umschlossen gewesen sind.