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Libeň, Vysočany, Karlín, Žižkov und Vinohrady

Am rechten Moldauufer erstreckt sich südlich von Troja eine Kette von Stadtvierteln die Neustadt (Nové město) entlang (wie z.B. Libeň, Vysočany und Karlín), die sich allmählich aus romanischen und gotischen Siedlungen in vorstädtische landwirtschaftliche Gehöfte und Lustschlösschen verwandelten, bis sie vom 19. Jahrhundert als Industrie- und Wohngebiete gänzlich in die Stadt gezogen wurden.

Karlín ist ein besonderer Fall. Bis zum Jahre 1817 prosperierten hier Gemüsegärten und das berühmte Schönfelder Lustschlösschen Růžodol, in dem bereits im 18. Jahrhundert Theater in böhmischer Sprache aufgeführt worden war. Von den ursprünglichen Bauten ist das Invalidenhaus (Invalidovna) erhalten geblieben. Das Jahr 1817 hat alles verändert. Damals wurde die Vorstadt Karlín ganz programmmäßig gegründet und im Geiste der Prinzipien des klassizistischen Städtebaus entworfen, benannt nach Karolina Augusta, der Gattin von Franz I. Bald begann hier, Mietsbebauung im Empirestil zu entstehen, die teilweise bis heute erhalten geblieben ist. Karlín war das modernste Viertel Prags. Hier entstand das erste Gaswerk, das öffentliche Beleuchtung gewährleistete, die von hier aus in das gesamte Prag ausgebreitet wurde, und hier fuhren die ersten Prager Straßenbahnen entlang. Den Gebäuden der hiesigen Manufakturen und Fabriken, die heute nicht mehr in Betrieb sind, hat der Abriss gedroht - und damit hat auch der Untergang des lokalen Charakters des Viertels gedroht; im Jahre 1999 sind jedoch der Palast Karlín (palác Karlín) und im Jahre 2001 das Corso Karlín fertiggestellt worden. Der namhafte Riccardo Beaufil hängte hier in alte Fabrikwände einen gegenwärtigen Bau aus Glas und Stahl ein und erweckte so das Objekt von David Černý auf besondere Art zum Leben. Am alten Zentrum, dem Karlíner Platz (Karlínské náměstí) entsteht so ein neues Zentrum.

An der südlichen Seite von Karlín liegt der bewaldete Hügel Žižkov und unter dessen südlichen Hängen das gleichnamige Viertel, das noch südlicher in Vinohrady (Kaiserliche Weinberge) übergeht. Im Mittelalter waren diese Gebiete von Weinbergen bedeckt, zwischen denen später Bauernhöfe und Lustschlösschen auftauchten. Nicht immer jedoch herrschte hier Frieden. Auf dem Hügel Žižkov, ursprünglich Vítkov, wurde im Jahre 1420 die hussitische Belagerung Prags durchbrochen, das riesige hunderttausendköpfige Kreuzritterheer von König Zikmund von Luxemburg ist jedoch in Panik geraten und geflohen. An diesen großen Triumph der Hussitenkriege erinnert das Denkmal der nationalen Befreiung auf dem Vítkov-Hügel (Památník národního osvobození na Vítkově) (1929 – 1932). In den Jahren 1931 – 1941 schuf Bohumil Kafka für den Vítkov-Hügel die monumentale Reiterstatue von Jan Žižka, des siegreichen Heerführers der Hussiten. Zu seiner Zeit handelte es sich um das größte Bronze-Reiterdenkmal der Welt (über 9 m hoch und lang und fast 17 Tonnen schwer). Außer der Erinnerung an den Sieg der Hussiten sollte es auch zur Würdigung der tschechoslowakischen Legionen im 1. Weltkrieg dienen, ähnlich wie das Gebäude des heutigen Widerstandskampf- und Armeemuseums (Muzeum odboje a armády) unter dem Vítkov-Hügel. Den Touristen bietet sich von hier aus eine unvergessliche Aussicht auf Prag.

Während einer furchtbaren Pestseuche im Jahre 1680 ist unter dem denkwürdigen Vítkov-Hügel ein Pestfriedhof entstanden, der seit dem Jahre 1784 den wichtigsten Prager Friedhof darstellt (die Friedhöfe Olšanský, Židovský und Vinohradský hřbitov). Auf dem Jüdischen Friedhof ist u.a. Franz Kafka begraben und der Friedhof Olšanský hřbitov ist zur letzten Ruhestätte der meisten berühmten Persönlichkeiten des neuzeitigen Prags geworden. Im 19. Jahrhundert ist es zur Trennung von Žižkov und Vinohrady gekommen, denn Žižkov ist zu einem Arbeiterviertel geworden, während sich Vinohrady in ein luxuriöses Residenzviertel verwandelt hat. In diesen Stadtteil von Prag ist auch die Gegenwart getreten – der Fernsehturm Praha (televizní vysílač Praha) im Park Mahlerovy sady, der in den Jahren 1987 – 1990 errichtet worden ist, ist zu einer neuen Dominante der Stadt geworden (216 m). David Černý hat ihn mit riesigen Säuglingen geschmückt.