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Die Altstadt und das Jüdische Ghetto

Die Altstadt (Staré Město) ist der älteste und reichste Stadtteil Prags. Ihr Entstehen ist mit dem internationalen Markt verbunden, der hier mindestens seit dem 9. Jahrhundert stattfand. Der arabische Kaufmann Ibrahim Ibn Jakob (965 n. Chr.) bewunderte insbesondere diesen Teil Prags. Damals war das Stadtzentrum näher am Fluss angesiedelt, angeblich am Rande der jüdischen Siedlung, etwa dort, wo sich nun der Palach-Platz (Palachovo náměstí) und anstelle der Furt jetzt die Mánes-Brücke befinden. Im 11. Jahrhundert verschob sich das Stadtzentrum gen Süden und blieb dort bis heute – auf dem Altstädter Ring (Staroměstské náměstí). Das mittelalterliche Prag war sehr kosmopolitisch. Nördlich und nordöstlich vom Platz siedelten sich die deutschen Kaufleute, südlich und südöstlich die Kaufleute aus den romanischen Ländern, östlich vom Platz die Tschechen und im Nordwesten die Juden an.

Entlang der Altstädter Hauptstraßen blieben die ältesten romanischen städtischen Steinhäuser erhalten. Heute sind mehr als 70 bekannt von ihnen (zu den berühmtesten gehört etwa das Haus der Herren von Kunštát). Ihre Erdgeschosse überlebten bis in unsere Zeit dank der künstlichen Erhöhung des Terrains um 7 Meter, die im 13. Jahrhundert durch den Bau der Wasserwehre erzwungen wurde, da man damals das Holz aus dem Böhmischen Wald nach Prag auf dem Wasserwege transportierte.

Staroměstské náměstí (Altstädter Platz), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Der Altstädter Ring (Staroměstské náměstí befand sich an dem Ort, den der Prager Meridian schneidet, nämlich an der Mariasäule (1680), die zugleich als Säule der Sonnenuhr diente. Die Säule wurde nach Ausruf der Republik niedergerissen. Zu dieser Zeit stand hier schon das Denkmal des Meisters Jan Hus (1915), Gründer der tschechischen Reformation, ein Werk des Bildhauers Ladislav Šaloun. An seiner Seite befindet sich einer der schönsten Prager Rokoko-Bauten – der Palast Golz- Kinsky von A. Lurago aus den Jahren 1755–65, erbaut nach dem Projekt von K. I. Dienzenhofer. Jetzt befinden sich dort die grafischen Sammlungen der Nationalgalerie.

Neben dem umgebauten gotischen Haus zur Glocke, in dem mehrere mittelalterliche Herrscher wohnten, befindet sich die pittoreske Teinschule mit einem Laubengang aus dem 13. Jahrhundert, und hinter ihr erhebt sich die Kirche der Jungfrau Maria vor dem Tein, die wesentlich das Werk Peters Parlers im 14. Jahrhundert war. Obgleich sie zum Zentrum der böhmischen Utraquisten wurde, blieb dort eine ganz außerordentliche bildhauerische Ausschmückung samt dem Grabstein von Tychon de Brahe und mehreren Gemälden erhalten.

Staroměstská radnice (Altstadtrathaus) mit Turmuhr, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Das Gebäude des Ungelts, das sich hinter der Kirche befindet, diente seit dem 11. Jahrhundert als Zollamt und kaufmännisches Zentrum des böhmischen Staates. Als im 16. Jahrhundert die Lagerpflicht für Waren in diesem Tein endete, übergab Ferdinand I. ihn dem Städter Jakob Granovsky, der um 1560 den Ungelt zum städtischen Renaissancepalast umbaute. Auf der Westseite des Altstädter Rings befinden sich Überreste des Rathauses mit Kapelle und Turm aus dem 14. Jahrhundert. Vor dem Rathhaus sind Kreuze im Pflaster gekennzeichnet, die an die Hinrichtung von 27 führenden Männern des tragischen Standesaufstandes (1618 –1624) erinnern. Das eigene Gebäude der Altstädter Selbstverwaltung ist aus einigen Städtehäusern zusammengebaut, die die Gemeinde schrittweise seit 1338 zusammenlegte, als sie das Recht für den Bau eines eigenen Rathauses bekam.

Von der Südseite ist die Stirnseite des Rathauses mit der Astronomischen Aposteluhr Prags geschmückt, die Nikolaus aus Kadaň 1410 entwarf und 1490 von Meister Hans vervollständigt wurde. Danach wurde die Prager Aposteluhr mehrmals repariert. 1864 malte Josef Mánes, der berühmteste Künstler der nationalen Wiedergeburt, die Kalendertafel der Prager Aposteluhr.

Das Eckhaus Zur Minute im Renaissancestil mit der Sgraffito- Ausschmückung belegt die lokale und typische Ähnlichkeit zur städtischen Renaissance unter Rudolf II.

Der neugotische Teil des Rathauses wurde von der deutschen Wehrmacht während des Prager Aufstandes 1945 vernichtet. Dadurch wurde die Aussicht auf die St. Nikolaus- Kirche frei. Diese Kirche wurde von K. I. Dienzenhofer (1732–35) gebaut.

Alter Jüdischer Friedhof (von 1400 bis 1787), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Von dem alten jüdischen Ghetto, das nach 1896 niedergerissen wurde, blieb unter anderem die Altneue Synagoge (Staronová) erhalten, die älteste intakte Synagoge in Mitteleuropa sowie der ganz außergewöhnliche Jüdische Friedhof, der zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert genutzt wurde. Unter den hiesigen 20 000 Grabsteinen befindet sich auch das Grab des berühmten Rabbi Löw, der in der Zeit von Rudolf II. den sagenhaften Golem –einen künstlichen Menschen– erschaffen sollte. Die umfangreichen Sammlungen des jüdischen Museums dokumentieren die Wendepunkte im Schicksal des von Gott auserwählten Volkes in unserem Lande.

Die Großteil der jüdischen Stadt wich dem Jugendstil. Besonders die Pařížská- Straße wurde zum Sinnbild des neuen Stils (nach 1896).

Das Rudolfinum, geöffnet zu Ehren des Besuches von Kronprinz Rudolf, des unglücklichen Sohns von Kaiser Franz Josef, ist seit 1883 eine Kulturstätte der Musik und der bildenden Kunst. Es wurde von den Hauptarchitekten des Nationaltheaters J. Zítek und J. Schulz gebaut.

Das berühmteste Altstadtkloster, das Agneskloster Na Františku , wurde von Agnes aus dem Herrscherhaus Přemysl im Jahr 1234 für die Franziskaner und Klarissen gegründet. In seinen Räumen befindet sich heute die Sammlung der mittelalterlichen Kunst der Nationalgalerie.

Das Štorch-Haus mit den Fresken von Mikoláš Aleš wurde in einem Stil gebaut, der den Jugendstil mit der Tradition der Neu-Renaissance und der nationalen Wiedergeburt verbindet. Es befindet sich an der Kreuzung des Altstadtplatzes und der Celetna-Straße.

Inmitten der Celetna-Straße an der Ecke des Obstmarktes steht ein Kleinod der modernen Architektur – das kubistische Haus zur schwarzen Mutter Gottes von Josef Gočár (1909–1911) mit sehenswerten Ausstellungsräumen.

Das klassizistische Gebäude des Standestheaters bildet den Mittelpunkt am Obstmarkt und war ebenfalls Zeuge der Premiere von Mozarts Don Giovanni (1787).

Das Karolinum stellt einen verschiedenartigen Gebäudekomplex der Universität dar, der bis an die Celetna- Straße reicht. Die Fassaden stammen überwiegend aus der Barockzeit oder aus dem 19. Jahrhundert, aber manche Inneneinrichtungen weisen auf Gotik hin. Kern des ganzen Blocks ist das Rothlév-Haus, das Wenzel IV. im Jahr 1383 der Universität schenkte. Das Rektorat der Universität hat hier seit 1611 seinen Sitz, und die historische Vielfalt ist bis heute erhalten geblieben. Die Prager Universität, die älteste in Mitteleuropa, wurde von Karl IV. im Jahr 1348 gegründet.

Pulverturm (1475) und Gemeindehaus im Jugendstil (1906 - 11), Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Die Celetná-Straße führ t zum spätgotischen Pulverturm von Mat. Rejsek (nach 1475), mit welchem die Jagellos ihre vergleichbaren Ambitionen mit den Luxemburgern demonstrieren wollten. Dicht am Pulvertor lag der Königshof. Er war eine beliebte Privatresidenz der böhmischen Herrscher. Er blieb nicht erhalten, da er in ein Gemeindehaus umgebaut wurde. Diesen sehr repräsentativen Palast des Jugenstil-Prags erbauten Ant. Balšánek und Osv. Polívka (1906–1911), und an der Einrichtung beteiligten sich der Maler Jan Preissler sowie die Bildhauer St. Sucharda und L. Šaloun. Bis heute ist er ein lebendiges Kulturzentrum und zieht die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit besonders bei Ausstellungen auf sich.

Durch den westlichen und südwestlichen Teil der Altstadt führt der Krönungsweg der böhmischen Könige, der die Vyšehrad mit der Prager Burg verband. Dort befinden sich manche Kostbarkeiten, wie etwa die romanische Rotunde des Heiligen Kreuzes aus dem 11. Jahrhundert.

Die Kapelle von Betlehem, wo der Reformator Jan Hus predigte, wurde in den Jahren 1950–53 nach dem Original von 1391, das 1786 niedergerissen wurde, erneuert.

Am Křížovnické náměstí (Platz) gibt es seit 1556 ein jesuitisches Studentenwohnheim, das sich nach dem Dreißigjährigen Krieg über ein weiträumiges Areal ausdehnte. In Anlehnung an die Kirche des heiligen Klement wird es Klementinum genannt. Die im Barock-Stil eingerichteten Kirchen, die Spiegelkapelle (1724) oder die Bibliotheks- oder Mathematiksäle (1727–30) illustrieren die Entwicklung der Barockkunst in Böhmen. Darüber hinaus diente das Klementinum auch als Universitätsbibliothek. Die heutige Nationalbibliothek knüpft an diese Tradition an. Sie bewahrt etwa 6 Millionen Bände mit einem jährlichen Zuwachs von 80.000 Titeln und viele prächtige Manuskripte aus dem Mittelalter.

St.-Franz- und St.-Salvator-Kirche, Foto: Libor Sváček, archiv Vydavatelství MCU s.r.o.

Bestandteil des Klementinums ist ebenfalls die St. Salvator-Kirche und die an sie angebundene so genannte Welsch- Kapelle. Es handelt sich um die älteste europäische Kirche, die nach einem elliptischen Grundriss erbaut wurde. Sie stammt aus den Jahren 1590–97, jedoch ist ihr Schöpfer nicht mit Sicherheit zu bestimmen. Wovon damals die Architekten in Italien träumten, wurde am Hof von Rudolf II. durch ihre italienischen Kollegen verwirklicht.

Die Havelstadt wurde von Wenzel I. in den Jahren 1232–34 gegründet. Es sollte ein isolierter neuer Marktplatz entstehen, aber die Privilegien gingen rasch an die älteren Siedlungen über. Die Havelstadt wurde zum städtischen Hauptmarktplatz (vom Kohlenbis zum Obstmarkt), und dies ist bis heute so geblieben. Unter Karl IV. wurde in dieser Gegend eine gigantische Basilika erbaut, die als Warenhaus diente. Die V. Kotcích- Gasse ist ein Überrest des Mittelschiffes und wird seitlich von einer gotischen Laube umrahmt. Auch heutzutage findet hier täglich ein Markt statt.