Heiter
Sa 21.4.
13/19°
Halbbedeckt
Mo 22.4.
10/19°
Bedeckt
Di 23.4.
13/19°

Der neue Palast, Die I. und II. Burghöfe

Heutzutage ist die Prager Burg Sitz des Präsidenten der Republik, dessen Arbeitszimmer die Räume des Neuen Palastes einnehmen. Seine Flügel baute der Wiener Hofarchitekt Nicola Pacassi in den Jahren 1763–71 und verband so die einzelnen Burgpaläste, besonders jene aus der Zeit des Rudolfs II.

Auf der westlichen Seite, in Richtung Hradschin-Platz (Hradčanské náměstí), befindet sich der Haupteingang der Prager Burg. Statt des Ersten Burghofes befand sich hier früher eine Schlucht, die den geschützten Teil der Prager Burg vom anliegenden Hradschin (Hradčany) trennte. Im Verlauf des 10. Jahrhunderts wurde sie in eine tiefe Grube umgewandelt, die im 14. Jahrhundert durch zwei weitere ergänzt wurde. Nicola Pacassi änderte den tausendjährigen Zutritt in die Burg, und mit dem Zuschütten der Gruben bildete er die Fläche des Ersten Burghofes. Es handelt sich um einen Ehrenhof, dem das Tor der Giganten (Brána gigantů) mit der bildhauerischen Ausschmückung von Ignaz Platzer (1770–71) den Zutritt öffnet. Das spätmanieristische Matthias-Tor (Matyášova brána) von 1614 wurde in den westlichen Flügel des Neuen Palastes (Nový palác) hineingezogen. Seine Architektur zeigt, wie Bauten aus dem Zeitalter Rudolfs II. aussehen konnten. Der Schöpfer ist vermutlich Rudolfs Architekt Giov. Maria Filippi.

Der westliche Flügel wird durch das Matthias-Tor geteilt: Den südlichen Teil nehmen die Räume im Rokoko-Stil mit Inneneinrichtungen aus dem 18. Jahrhundert ein, und im nördlichen Teil dominiert der Säulensaal von Josip Plečnik (Sloupová síň Josipa Plečnika) (1927–31), dessen origineller und zugleich traditioneller Stil unseren ersten Präsidenten verzauberte.

Der nördliche Teil des westlichen Flügels verläuft bis zum repräsentativsten Raum des Präsidententeiles der Prager Burg – zum Spanischen Saal – (Španělský sál). In den Jahren 1602–1606 ließ ihn Rudolf II . für Hoffeste erbauen. Seine heutige Inneneinrichtung ist vom Neubarock bestimmt. Der nördliche Flügel entstand zur gleichen Zeit, und in ihm befanden sich seit Anfang des 16. Jahrhunderts Pferdeställe. Heute ist hier die Gemäldegalerie der Prager Burg angesiedelt. Obgleich sie nicht mit der Gemäldegalerie von Kaiser Rudolf II . zu vergleichen ist, stellt die hiesige Sammlung eine würdige Fortsetzung der kaiserlichen Sammlungen dar. (L. Cranach, H. von Aachen, Tizian, P. P. Rubens, J. Kupecký).

Im weißen Turm im mittleren Flügel der Prager Burg befand sich bis zur Zeit Rudolfs II . ein Gefängnis, aber der kunstliebende Kaiser errichtete hier eine Rüstkammer, d.h. einen Raum für seine Waffensammlung. Im zweiten Stock blieb noch ein Teil der damaligen Ausschmückung erhalten – die allegorische Freske des berühmten Bartolomeo Spranger (aus den achtziger Jahren des 16. Jahrhunderts). Leider blieb nur dieser Raum von damals erhalten.

Die Fläche des Zweiten Burghofes beherrschten der Brunnen von Jeronym Kohl (1686), ein Renaissancebrunnen mit einer schmuckhaften Abdeckung aus dem 18. Jahrhundert und die Kapelle des heiligen Kreuzes, die nach den Entwürfen von Pacassi von A. Lugaro (1758–63) erbaut wurde. Die zeitgemäße Ausstattung ihrer Inneneinrichtung wurde im 19. Jahr-hundert vervollständigt.

In den neunziger Jahren des 20. Jahrhunderts wurden die Flügel des Neuen Palastes mit zeitgenössischer Kunst durch die Werke von B. Šípek (Architekt des Präsidenten V. Havel) wieder lebendig. Die Tradition auf der Prager Burg verbindet sich diese Weise mit der Gegenwart.